EM Elite Glasgow

04.08.18: Nächster Halt: Glasgow

Der Wormser Linus Stimmel vor der Triathlon-EM in Glasgow

von Nils Salecker geschrieben (Wormser-Zeitung)

WORMS - Marokko, Bahamas, Mexiko. Linus Stimmels Liste klingt nach Weltreise. Und ja, der Wormser kommt viel rum. Viel Zeit für Sightseeing vor Ort bleibt ihm allerdings nicht. Der 21-Jährige ist Profi-Triathlet. „Man darf nie vergessen, dass man da hinfährt, um Leistung abzurufen.“ Seine nächste Destination heißt in der kommenden Woche Glasgow, Schottland: Triathlon-Europameisterschaft (9. bis 11. August). Diese findet im Rahmen der „European Championships“, dem kleinen Olympia, statt. „Ein Riesending“, freut sich der 21-Jährige drauf. Es ist das nächste Highlight in Stimmels Triathlon-Karriere, die vor mehr als zehn Jahren begann. „Eines der größten Events überhaupt und läuft im Fernsehen“, sagt Stimmel, „man bekommt Aufmerksamkeit, das motiviert.“ 

Ja, das Begleitrauschen ist schön. Viel rumzukommen und einiges zu sehen, auch das findet er „cool“. Vom Fokus aufs Wesentliche hält das den Wormser aber nicht ab. Die Erwartung hat Stimmel an sich selbst und auch seine Sponsoren, die ihm immerhin die Reisen mitermöglichen, setzen auf den 21-Jährigen.

Bislang tun sie gut daran: Die Leistungskurve von Stimmel zeigt steil nach oben. Erst in diesem Jahr wurde er von der Deutschen Triathlon Union (DTU) in den Ergänzungskader berufen. In Glasgow startet er im Einzel und hat große Chancen auf einen Platz in der Staffel. Packt er es mit dem Team unter die Top fünf, rückt er in den Perspektivkader, dem zweithöchsten im Bund, auf. 

Sport bestimmt den Alltag des Vollzeit-Athleten

Und von nichts kommt nichts. „Nicht unbedingt die Besten sind die, die Erfolg haben, sondern die mit dem größten Willen“, ist Stimmels Credo. Er beißt sich durch, ordnet alles in seinem Alltag dem Sport unter. Der 21-Jähriges ist zwar an der Wormser Hochschule eingeschrieben. Fürs Studium hat der Vollzeit-Triathlet aber kaum Zeit. Sein exemplarischer Tagesablauf: Morgens Schwimmen, danach Athletik-Training im Studio der Eltern und physiotherapeutische Behandlung. Es folgen Mittagessen, Pause und Bürokram. Denn auch der fällt an: Trainings müssen dokumentiert, Reisen abgerechnet und mit seinen Sponsoren muss kommuniziert werden. Zu guter Letzt: ein bis zwei weitere Trainingseinheiten am Nachmittag und Abend, Radfahren und/oder Laufen – die Reihenfolge variiert. Das bedeutet Überwindung, jeden Tag aufs Neue.

Auch die Wettkämpfe sind zum großen Teil Kopfsache. Vor allem baut Stimmel bei diesen auf sein Körpergefühl. Die Generalprobe für Glasgow war da das beste Beispiel: Bei der EM über die Sprintdistanz in Tartu (Estland) vor zwei Wochen stieg Stimmel nach wenigen Kilometern vom Rad. Der Grund: Der Abstand zu den vorderen Athleten war bereits nach dem Schwimmen – seiner besten Disziplin – schon zu groß. 

Für Glasgow wäre das der Super-GAU. Denn Stimmel ist niemand, der das Feld von hinten aufrollt. Die Duftmarke setzt er lieber schon im Wasser. Vor allem der Wechsel vom Rad zum Lauf ist noch sein Schwachpunkt. Hier besser mit seinen Kräften hauszuhalten, daran arbeitet Stimmel derzeit mit Blick auf die Weltspitze. Mittelfristig nimmt er diese in Angriff.

Jetzt aber erst mal Glasgow, ein Schritt nach dem anderen. In Schottland peilt der Wormser die Top 20 an, will bester deutscher U 23-Starter werden. Dann wäre er qualifiziert für die U 23-WM im September. Die findet in Gold Coast statt. Australien heißt die nächste Destination, der nächste Schritt. Hin zu noch größeren Zielen. „Hier könnt ihr an meinemWeg zu Olympia teilhaben“, schreibt Stimmel auf seiner Facebook-Seite. Tokio 2020 und Paris 2024, so hießen sie dementsprechen: die weiteren Punkte auf Stimmels langer Weltreise-Liste.